Klänge von Gitarren

Wenn man eine Gitarre, nacheinander mit unterschiedlichen Saiten bespannt und die A-Saite anzupft, dann hört man, dass die Gitarre unterschiedlich klingt.

Wie kann das sein, wenn die Frequenz der A-Saite 110 Herz (Hz) sein soll? Offensichtlich hört man eben nicht nur einen Ton im physikalischen Sinn, also einen Sinuston der genau 110 Hz hat, sondern auch noch andere Töne, die sich mit dem 110 Hz Ton mischen und durch die Überlagerung einen Ton A, im musikalischen Sinn, erzeugen, der je nach Saite einen anderen Klang hat.

burguet-frequenzanalyseFrequenzverteilung der klingenden E-Saite auf meiner Burguet Gitarre, an zwei unterschiedlichen Stellen angezupft

Der Klang der Saite hängt von der Art aufgespannten Saite ab, von der Gitarre und von der Art und dem Ort des Anzupfens, wie man oben sieht. Wenn man – wie in unserem Beispiel – die gleiche Gitarre verwendet und es dann noch schafft die Gitarre identisch anzuzupfen, dann kann man durch das Aufziehen von unterschiedlichen Saiten einige Klangeigenschaften einer Gitarre untersuchen, denn die Unterschiede im Klang ergeben sich in diesem Fall allein aus den Unterschieden zwischen den Saiten (und der zugehörigen spezifischen Saitenspannung). Was am Klang, unter festgelegten Anzupfbedingungen, dann gleich bleibt, ist durch die Eigenschaften der Gitarre erzeugt worden.

Allgemein kann man also sagen, die Ausprägung der abhängigen Variablen Klang ergibt sich aus der Variation der frei variierbaren unabhängigen Variablen: GitarreSaitenartAnzupfart und Anzupfort.

Definiert man Standard-Anzupfbedingungen, dann werden aus den Variablen Anzupfart und Anzupfort Parameter, die leicht stabil gehalten werden können und deren Eigenschaften dann nicht weiter interessieren, weil sie keine Unterschiede im Klang der Gitarre verursachen können.

Die Variable Saiten lässt sich sehr leicht variieren und stabil halten. Man kann eine bestimmte Anzahl verschiedener Saiten auswählen und zum Testen der gleichen Gitarre verwenden. So kann man für die Variable Gitarre, die wir hier ja gar nicht variieren, verallgemeinerte Klangeigenschaften bestimmen, die unabhängig von den gewählten Saiten sind.

Wenn man dann für verschiedene Gitarren (mit gleicher Mensur) die gleichen Saitensätze verwendet und die verallgemeinerten Klangeigenschaften bestimmt, dann lassen sich Unterschiede in den Klangeigenschaften zwischen verschiedenen Gitarren bestimmen, die dann Merkmale der Gitarren sind, da die gewählten Saiten identisch sind.

Es gibt viel zu tun!